Neues Leben in der Villa Rosenthal

Am Nor­drand von Hohen­ems gele­gen passiert man an der Ein­fahrt ins Zen­trum ein Geis­ter­haus. Doch der Schein trügt.

Hin­ter der ver­fal­l­enen Fas­sade der ver­lasse­nen Vil­la ver­birgt sich ein Palais mit Glas­mo­saiken im Trep­pen­haus, üppi­gen Wand- und Deck­en­malereien, roman­tis­chen Anbaut­en, wie Kegel­bahn, Stal­lun­gen, Remise und weitläu­figem Anwe­sen.

1823 wurde die Vil­la von August Rosen­thal neben der „Alten Post“ erbaut. Das Ehep­aar Franziska und Iwan Rosen­thal, zusam­men mit dem namhaften Architek­ten­team Chiodera & Tschu­di aus Zürich, baut­en 1889 das Haus in eine hochherrschaftliche Vil­lenan­lage um, indem die Nach­bar­grund­stücke und die „Alte Post“ mitein­be­zo­gen wur­den.

1899 zog Franziskas Schwest­er Regi­na mit ihrer 16-jähri­gen Tochter Amalie ins Haus der Rosen­thals. Das Leben als Mäd­chen aus gutem Hause beschränk­te sich für Amalie auf Han­dar­beit­en – als wiss­be­gierige junge Frau eine unbe­friedi­gende Tätigkeit. Von 1909–1914 trat sie als einzige Frau im Bezirk Hohen­ems dem Alpen­vere­in bei und unter­nahm her­aus­fordernde Berg­touren, über die heute noch in Bericht­en nachzule­sen sind. Amalie bildete sich weit­er, zog nach Stuttgart, wurde im 1. Weltkrieg Sekretärin des Che­farztes eines Lazaretts und blieb nach dem Krieg in München, wo sie für ver­schiedene Ärzte arbeit­ete.

1931 wurde Amalie Hess zur Alleinerbin des Anwe­sens in Hohen­ems. Sie selb­st wohnte inzwis­chen wieder mit ihrer Mut­ter in der Schweiz. Die Beweg­gründe, die sie zum Verkauf der Vil­la im Mai 1938 bewogen, kön­nen nur erah­nt wer­den.

Nun soll die Vil­la Rosen­thal das Lit­er­aturhaus Vorarl­berg wer­den. Stad­ten­twick­ler Markus Schaden­bauer sieht darin einen wesentlichen Baustein in der Bele­bung des Are­als. Bürg­er­meis­ter Dieter Egger ver­spricht sich von der kul­turellen Insti­tu­tion ähn­lich dem Jüdis­chen Muse­um »eine Strahlkraft in der Region und über unsere Lan­des­gren­zen hin­aus«. Wir dür­fen uns jet­zt schon auf geistre­iche und inspiri­erende Begeg­nun­gen freuen.